Toulouse: Mehr als Flugzeuge

Antoine de Saint-Exupéry war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Pilot. Und zwischen seiner Postflüge übernachtete er in den 1920ern im Hotel Le Grand Balcon in Toulouse. Saint-Exupéry ist aber eigentlich gar nicht der Grund, warum wir nach Toulouse reisen – auch, wenn er irgendwie dazu passt. Vielmehr hat die 4. größte Stadt Frankreichs den Ruf, Europas Luftfahrtmetropole zu sein. Schließlich liegt etwas außerhalb, gleich in der Nähe des Flughafens Blagnac, das riesige Airbus-Werk. Hier werden unter anderem der A380 und A350 zusammengesetzt, um anschließend ihre ersten Testflüge zu absolvieren. Da Großer Bruder ein überdurchschnittliches Interesse an Flugzeugen hat und Pilot nach wie vor sein größter Berufswunsch ist, lag es nahe, die Stadt einmal zu besuchen.

Das Airbus-Werk kann nur mit Führung besucht werden. Am besten ist es, diese schon im Voraus zu buchen. Wir entscheiden uns für die A380-Tour.

Visit Airbus, Toulouse, France

Das Fotografieren während der 1,5-stündigen Tour ist verboten. Wir fahren mit dem Bus auf das Gelände und mit dem Lift auf eine Aussichtsgalerie, in der wir in die A380-Endmontagehalle sehen können.

Gleich nebenan liegt das Aeroscopia, ein Luftfahrtmuseum. Hier sind etliche Flugzeuge in allen Größen, von Modell bis Original ausgestellt. Höhepunkt für Großen Bruder ist aber eindeutig der Simulator, an dem eigene Flugzeuge kreiert und bemalt werden können.

Visit Airbus, Toulouse, France

Wer die Stadt an der Garonne nur auf Flugzeuge reduziert, tut ihr unrecht. Denn auch die Stadt ist absolut besuchenswert. In der Innenstadt reihen sich rote Backsteinhäuser aneinander.

Toulouse, France

Die Straßen sind voller Leben. Toulouse ist eine Universitätsstadt und das merkt man. Die Fußgängerzonen sind voll, es gibt Unmengen an Restaurants und Cafés und es macht Spaß vor den Schaufenstern der kleinen, liebevoll gestalteten Geschäfte stehen zu bleiben.

Toulouse, France

Toulouse, France

Toulouse, France

Toulouse, France

Normalerweise gehe ich gar nicht gerne einkaufen. Aber hier könnte ich mir vorstellen, einige Stunden damit zu verbringen, von Geschäft zu Geschäft zu schlendern.

Mittelpunkt der Innenstadt ist der Place du Capitole, der Rathausplatz.

Le Capitole, Toulouse, France

Gegenüber des Platzes im Arkadengang befinden sich Kaffeehäuser, wie das Café Florida.

Toulouse, France

Auch die Cité de l’Espace, die Weltraumstadt, die außerhalb des Zentrums liegt, aber mit (fahrerloser) U-Bahn und Bus gut zu erreichen ist, steht auf unserem Programm. Schon von Weitem sehen wir den 55 Meter hohen Nachbau der Ariane 5. Das Gelände ist riesig. Das Angebot, wie Vorführungen im Planetarium oder IMAX-Kino, ist groß.

Cité de l'Espace, Toulouse, France

Cité de lespace, Toulouse, France

Zunächst schauen wir uns das interaktive Museum an, danach die Mir-Raumstation. Später gehen wir noch ins Planetarium. Das Angebot in der Weltraumstadt ist groß und auch dieser Nachmittag vergeht zu schnell.


Anreise: Wir sind mit der Austrian über Frankfurt bzw. München geflogen.

Airbus: Unbedingt vorab online Tickets für die Führung buchen.

Land der Burgen und Schlösser

Es ist unser Tag der Burgen. Das erste Ziel in Lettland ist die Festung Turaida, eine beliebte Touristenattraktion. Der Vorteil am Reisen in der Nebensaison wird uns bei unserer Ankunft sofort klar: Außer uns sind keine zehn weiteren Besucher auf der im Sommer sicherlich sehr gut besuchten Burganlage unterwegs.

Die Burg wurde 1214 errichtet, später aber durch ein Feuer zerstört und nun teilweise wieder rekonstruiert. Wir steigen auf den 30 Meter hohen Turm…

Burg Turaida, Sigulda

…und bekommen einen Eindruck von der Schönheit des Gauja-Tals.

Burg Turaida, Sigulda, Lettland

Anschließend besuchen wir noch das Museum gleich neben dem Turm mit archäologischen Fundstücken eingerichtet.

Der nächste Stopp ist das 18.000-Einwohner zählende Cesis, wo wir auch übernachten werden. Und auch hier steht eine Burg (siehe Titelbild). Sie wurde ab 1209 errichtet. Ein Teil der Festung ist bereits restauriert und zugänglich, ein anderer Teil ist abgesperrt.

Am nächsten Tag wollen wir im Gauja-Nationalpark wandern gehen. Die Wanderung fällt aber sehr kurz aus. Denn mit der Nacht kam der Schneefall und bereits in der Früh ist das Gauja-Tal von einer zentimeterhohen Schneeschicht bedeckt.

Cirulisi Nature Trail Cesis, Lettland

Und der Schneefall hört auch die nächsten Stunden nicht auf.  Die Wege sind rutschig und auf der Gauja treiben Eisbrocken.

Cirulisi Nature Trail Cesis, Lettland

Ein paar Tage später besuchen wir auf dem Weg von Litauen nach Riga noch Schloss Rundale, ein prächtiges Barockschloss.

Schloss Rundale, Lettland

Es gibt einen Goldenen Saal, einen Blauen und einen Weißen. Ein Rosenzimmer und eine Porzellansammlung.

Schloss Rundale, Latvia

Schloss Rundale, Lettland

Die Parkanlage sparen wir uns allerdings. Zu nass, zu kalt und noch blüht ohnehin nichts.

Stürmisches Litauen

Es ist einer jener Orte, den ich immer schon einmal besuchen wollte: die Kurische Nehrung. Dieser riesige Naturdamm aus Sand ist rund 100 Kilometer lang und an manchen Stellen nur wenige hundert Meter breit. Damit die Düne nicht wandert, wurde sie teilweise bepflanzt.

Wer die Nehrung von Litauen aus erreichen will, muss eine Fähre nehmen. Wir starten von Klapeida und in nur wenigen Minuten bringt uns die Auto-Fähre vom Festland auf die Halbinsel. Dort angekommen lässt sich die Faszination der Landschaft erahnen: riesige, teilweise bewaldete Sanddünen, zu beiden Seiten Meer und immer wieder Sandstrände, an denen Sommertage sicherlich sehr angenehm verbracht werden können.

Kurische Nehrung, Litauen

Doch es scheint keine Sonne. Es schüttet und ein kalter Wind bläst. Wir steigen aus, um einen der Wege ans Meer zu nehmen. Innerhalb kürzester Zeit sind wir durchnässt. Also fahren wir weiter die kurvige Straße entlang bis nach Nida. Nida ist der letzte Ort des litauischen Teils der Nehrung. Gleich hinter dem Ortsende befindet sich die Grenze zu Russland.

Nida, Kurische Nehrung, Litauen

In Nida stehen noch viele der traditionellen, bunten Fischerhäuser. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Ort bei Künstlern beliebt. So kam etwa Schriftsteller Thomas Mann immer wieder her. Wir bleiben allerdings nur kurz.

Am nächsten Tag fahren wir von Klapeida wieder nach Lettland. Während ich die Kurische Nehrung unbedingt sehen wollte, zögerte ich, ob sich der Berg der Kreuze nordöstlich der Stadt Siauliai als Ausflugsziel für Kinder eignet.

Als wir hinkommen stürmt es nach wie vor, aber immerhin fällt hier Schnee und kein Regen. Schon von der Ferne sehen wir den Hügel mit den Kreuzen.

Berg der Kreuze, Litauen

Sie stehen dicht beieinander und auf den großen Kreuzen hängen unzählige kleine. 120.000 Stück waren es laut einer Urkunde, die in der Information neben dem Parkplatz aushängt, bereits im Jahr 2012. Und laufend kommen neue dazu. Auch heute. Denn es sind zwar nicht viele Leute hier, aber dennoch stellen einige von ihnen neue Kreuze dazu.

Berg der Kreuze, Litauen

Es ist ein unheimlicher und gleichzeitig faszinierender Ort. Wer das erste Kreuz hierher brachte, ist nicht bekannt. Aber bereits nach den erfolglosen Aufständen gegen Russland im Jahr 1831 wurden an dieser Stelle Kreuze für Gefallene aufgestellt.

Berg der Kreuze, Litauen

Zwischen den Kreuzen hindurch führen Stufen auf den Hügel. Diesen hinauf zu gehen ist beeindruckend. Meine Sorge, der Berg könnte nichts für Kinder sein, war völlig unbegründet: Kleine Dame und Großer Bruder sind begeistert und für sie ist der Berg der Kreuze ab sofort einer der Lieblingsorte dieser Reise.


Info: Wer den russischen Teil der Nehrung besuchen will, muss sich schon vor der Abreise ein Visum besorgen.

Soomaa: Durchs gefrorene Moor

Estland ist ein flaches Land und damit perfekt zum Wandern mit Kindern. Der bekannteste und größte der fünf estnischen Nationalparks ist der Lahemaa Nationalpark rund 40 Kilometer östlich von Tallinn. Unsere geplante Route führt jedoch nach Süden, daher entscheiden wir uns für eine Wanderung im Soomaa Nationalpark.

Der 390 km² große Park wurde 1993 eingerichtet. Elche, Wölfe, Luchse und sogar Bären sind hier beheimatet. Riesige Hochmoore und einige Flüsse prägen die Landschaft. Große Teile des Parks sind regelmäßig Anfang des Frühlings überflutet, sodass Einheimische sogar von fünf Jahreszeiten sprechen: Sommer, Herbst, Winter, Überflutung und Frühling.

Bei unserem Besuch liegen die Temperaturen allerdings noch deutlich unter dem Gefrierpunkt. Die Böden sind daher ohnehin gefroren und Überflutungen somit kein Thema.

Der Riisa Moorpfad ist ein schöner, kindertauglicher Rundweg.

Soomaa Nationalpark, Estonia

Die gesamte Tour verläuft auf Bretterpfaden, sich zu verirren ist daher fast unmöglich.

Soomaa Nationalpark, Estonia

Kurze Strecken geht es durch den Wald.

Soomaa Nationalpark, Estonia

Ansonsten wandern wir durch die winterliche Moorlandschaft, vorbei an (noch zugefrorenen) Moorteichen zu einem Aussichtsturm.

Soomaa Nationalpark, Estonia

Vereinzelt zwitschern Vögel und das Knirschen des Schnees unter unseren Schuhen ist zu hören. Und auf der gesamten rund 4,5 Kilometer langen Wanderung treffen wir nur einen einzigen Menschen.


Info: Der Riisa Naturlehrpfad liegt auf der Strecke zwischen Joesuu und dem Nationalpark-Besucherzentrum.

Im Sommer eignet sich die Region hervorragend für Kanutouren.

Tallinn: Mittelalter & Moderne

Unser erster Tag in Tallinn beginnt unfreundlich. Es schneit und stürmt. Wir machen uns daher mit tief ins Gesicht gezogenen Mützen auf in die Altstadt. Auf dem Weg dorthin sehen wir nicht viel, denn wegen des Schneesturms sind unsere Blicke automatisch zu Boden gewandt. Doch plötzlich stehen wir aber vor den eindrucksvollen Stadtmauern mit rund drei Metern Dicke und über zehn Metern Höhe.

Tallinns Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Es sind kleine, hübsche Gassen. Außer uns ist kaum jemand unterwegs. Und auch wir beschließen nach kurzer Zeit: auf ins Kaffeehaus zum Aufwärmen.

Tallinn, Estonia

Als wir es wieder verlassen, hat der Schneesturm aufgehört und die Sonne scheint. Wir spazieren zum Rathausplatz (schön)

Tallinn, Estonia

und auf den Domberg (noch schöner). Hier stehen die Alexander-Newski-Kathedrale und die Domkirche St. Marien. Gleich in der Nähe führt ein Weg zum Kanonenturm, einem weiteren Abschnitt der Stadtmauer und dem Garten des dänischen Königs, in dem einige übergroße Mönchstatuen stehen.

Tallinn, Estonia

Den Nachmittag verbringen wir außerhalb der Stadtmauern im modernen Meeresmuseum, das im ehemaligen Wasserflugzeughangar errichtet wurde.

Estnisches Meeresmuseum, Tallinn, Estonia

Es gibt ein U-Boot zu besichtigen und unzählige interaktive Stationen. Lange bleiben wir bei einem Becken mit ferngesteuerten Booten, probieren Flug- und Bootsimulatoren aus und malen Fische, die dann weniger später als Projektion auf einer Wand erscheinen.

Estnisches Meeresmuseum, Tallinn, Estonia

Die Zeit vergeht schnell und wir verlassen das Museum erst drei Stunden später, als es schließt. Der unfreundliche Start in den Tag ist ohnehin schon längst vergessen.

Unterwegs ins Baltikum

Wir sind also auf dem Weg ins Baltikum. Und das, obwohl eigentlich niemand von uns hin wollte und es bei unserer Reiseziel-Auslosung gar nicht zur Wahl stand.

Dass wir nun trotzdem mit der Fähre durchs Eis von Helsinki und Tallinn shippern, kam so: Das Los fiel auf Südkorea. Und damit begann das Dilemma. Ich buche Fernflüge eigentlich immer früh. Schließlich sind sie da noch deutlich billiger. So auch die Flüge nach Seoul.

Ein paar Wochen nach der Buchung begann sich der Korea-Konflikt allerdings zuzuspitzen. Täglich neue wüste Drohungen zwischen den USA und Nordkorea. Damit schwand aber unsere Vorfreude in dieser Region zu urlauben. Zu Weihnachten dann die Entscheidung: Ein anderes Reiseziel muss her.

Nun gut. Die Flüge waren bereits gebucht. Was also tun? Zwischenstopp auf der Reise nach Asien war Helsinki. Daher sind wir hier einfach ausgestiegen, um die Fähre zu nehmen. In Tallinn werden wir uns ein Auto mieten und uns auf einen Roadtrip durchs Baltikum machen.

Noch sind wir nicht sicher, ob die Entscheidung eine gute war. In Südkorea hat sich die Lage zwischenzeitlich entspannt, es ist Frühling und die Kirschbäume blühen.

Doch die Reise beginnt eigentlich gut. Es gibt Kinderprogramm, niemand ist seekrank und kleine Dame ist begeistert: Das zugefrorene Meer, durch das sich das Schiff seinen Weg bahnt, schaue ein klein wenig aus wie die Fotos ihres Traumziels Antarktis.

Eisenstadt: Schloss, Dom & Torte

Ein schönes Schloss und die Aussicht auf die gleichnamige Torte – wir beschließen nach Eisenstadt zu fahren. Es ist eiskalt und daher äußerst praktisch, dass die Parkgarage nur wenige Schritte vom Schloss Esterházy entfernt liegt.

Zunächst besuchen wir die originell gestaltete Haydn-Ausstellung im Schloss.

Eisenstadt

Um danach die Fußgängerzone entlang bis zum Dom zu spazieren. Die Distanzen sind kurz und daher auch bei kaltem Winterwetter problemlos machbar.

Eisenstadt

Zurück gehen wir durch den wunderschönen Schlosspark und kommen an einem Spielplatz vorbei. Für einen längeren Aufenthalt ist es aber eindeutig zu kalt.

Eisenstadt Schlosspark

Im weitläufigen Park gibt es auch zwei Teiche und eine Orangerie, außerdem einige Hügel, auf denen gerodelt wird.

Schlosspark

Zurück beim Schloss kehren wir noch ins Restaurant gegenüber ein, um uns bei einem Stück Esterházy-Torte vor der Heimfahrt aufzuwärmen.

Eisenstadt Esterhazytorte


Info: Das Schloss Esterházy hat ganzjährig geöffnet (im Winter allerdings nur an den Wochenenden). Von Frühling bis Herbst werden eigene Kinderführungen angeboten. Wer im Inneren fotografieren will, braucht eine Genehmigung, die um zwei Euro bei der Kassa erhältlich ist.